Natur
Organisch, malerisch, gewachsen. Botanische Formen und natürliche Ordnungen treten in einen Dialog mit der strengen Architektur.
Interaktive Echtzeitprojektion · Stadtbücherei Lüdenscheid
Der Mensch verändert sein Umfeld.
Und das Umfeld antwortet.
Konzept
RESONANZKÖRPER ist eine interaktive Echtzeitprojektion für die rückwärtige Fassade der Stadtbücherei Lüdenscheid. Die historische Architektur wird nicht als passive Leinwand behandelt, sondern als digitaler Körper mit virtuellen Eigenschaften wie Masse, Elastizität, Trägheit, Spannung und Resonanz.
Bewegung und Klang der Menschen werden in Echtzeit zu Kräften eines virtuellen Fassadenkörpers. Kameras und Mikrofone erfassen flüchtige Ereignisse, ein Echtzeitsystem übersetzt sie in visuelle und akustische Zustände. Die reale Fassade bleibt materiell unverändert. Ihr projiziertes Gegenbild kann scheinbar nachgeben, schwingen, Wellen bilden und auf mehrere Menschen zugleich reagieren.
ECHTZEIT ist nicht Motiv, sondern Funktionsprinzip.
Drei Bildproben
Die Bildproben zeigen bewusst unterschiedliche künstlerische Handschriften. Die Architektur bleibt derselbe Bildträger, während Motiv, Farbe, Form und zeichnerischer Charakter wechseln.
Organisch, malerisch, gewachsen. Botanische Formen und natürliche Ordnungen treten in einen Dialog mit der strengen Architektur.
Figurativ und zeichnerisch. Körper, Wahrnehmung und Bewegung werden als transparente Schichten sichtbar.
Grafisch und konstruktiv. Moleküle, Bindungen und Kristallstrukturen machen Ordnung und Transformation der Materie sichtbar.
Arbeitsweise
Nicht nur den Mut, eine Idee zu verfolgen, sondern auch den Mut, sie immer wieder zu verwerfen, bis aus einer Möglichkeit eine eigene Bildsprache entsteht.
Bei diesen Entwürfen wird der Computer zum Pinsel. Er ersetzt den künstlerischen Prozess nicht, sondern erweitert ihn. Zwischen Idee und Bild entsteht ein ständiger Dialog mit der Technik: ausprobieren, verändern, reduzieren, neu beginnen. Viele Entwürfe bleiben dabei Zwischenstufen. Entscheidend ist der Moment, in dem der Künstler nicht mehr sieht, was technisch möglich ist, sondern das, was er tatsächlich zeigen will.
Die drei Bildproben Natur, Mensch und Chemie zeigen deshalb bewusst unterschiedliche künstlerische Handschriften. Die Fassade bleibt derselbe Bildträger, während Motiv, Farbe, Form und zeichnerischer Charakter wechseln. So wird sie nicht zur bloßen Projektionsfläche, sondern zum offenen Raum für unterschiedliche Wahrnehmungen und Interessen.
Dieser Freiheitsgrad ist dennoch nicht grenzenlos. Jede Idee muss sich mit der realen Aufgabe, der Architektur und dem zur Verfügung stehenden Equipment auseinandersetzen. Projektionsfläche, Lichtleistung, Auflösung, Standort und technische Machbarkeit setzen Grenzen. Diese Einschränkungen sind keine Niederlage der Kunst. Sie werden Teil des Entwurfs.
So entsteht das Bild nicht trotz der Technik, sondern im Dialog mit ihr.
Arbeitsproben
Die Filme untersuchen Fassadenwirkung, räumliche Verformung und den Übergang von statischer Architektur zu einem reagierenden digitalen Körper.
Arbeitsprobe zur Wirkung der Projektion auf der historischen Architektur.
Verdichtete Studie zur räumlichen und dynamischen Reaktion des Fassadenkörpers.
Künstlerische Vita
Geboren 1961 in Lüdenscheid. Nach einem Studium der Physik und Mathematik war Frank Wollenweber zunächst als Programmierer tätig, später in leitenden Funktionen eines Softwarehauses sowie in Bereichen wie Messtechnik, Maschinensteuerung und technischen Prozessen.
Diese Verbindung von naturwissenschaftlichem Denken und digitaler Praxis bildet die Grundlage seiner künstlerischen Arbeitsweise. Mit Ömmes:Echtzeit entwickelte er sein künstlerisches Erstlingswerk. Mit RESONANZKÖRPER wird der Ansatz zu einem offenen Echtzeitsystem weitergeführt, in dem Architektur nicht mehr nur Projektionsfläche, sondern reagierender Bestandteil des Werkes wird.
Vita als PDF öffnen →Künstlerisches Statement
„Das bloße Projizieren von Bildern auf eine Wand hat mich zunächst nicht interessiert. Erst die Überlegung, dass sich auch in der Malerei Materialien, Werkzeuge und Techniken fortlaufend verändert haben, veränderte meinen Blick auf die Projektion.“
Mich interessiert besonders der Moment, in dem Technik nicht mehr als Technik wahrgenommen wird, sondern als Verhalten des Werkes.
Der Mensch verändert sein Umfeld.
Und das Umfeld antwortet.